bookmark_borderBunter Blitz

plötzlich kracht ein bunter blitz
in die mitte meiner aufmerksamkeit
du bist da
überraschend
ganz nah

und doch so fern:
wenn sich unsere hände
zart berühren
unsere finger ineinander liegen
fühlt es sich an
als würdest du dünne unsichtbare handschuhe tragen
ich spüre deine konturen
aber komm nicht
durch zu dir

ich schreie dich an:
LASS
DICH
DOCH
BERÜHREN!

von meiner heftigkeit überrascht
wache ich auf

du bist weg
oder warst nie da

ich drehe mich um
und schlafe traumlos weiter

bookmark_borderMondgedicht II

Radfahrer quer über der Straße
Fußgänger überall
Lautes Hupen
Geballte Fäuste
Gefletschte Zähne
Blanke Nerven
Geschüttelte Köpfe

Hektisch
Getrieben
Planlos

Ruhe breitet sich
Sehr langsam aus
Und bleibt nur kurz

Vollmond Alltag.

bookmark_borderMondgedicht

Majestätisch
Ziehst Du Deine Kreise
Durch unseren Himmel
Und unsere Leben.
Tagsüber
Oder nachts.
Meistens unbemerkt
Manchmal bewundert.
Dein Rhythmus pulsiert in uns.

Mal macht Dein heller Schein die Nacht zum Tag.
Mal lässt Deine Abwesenheit uns ahnen
Wie finster Finsternis sein kann.

Dreh weiter Deine Runden
Zeig uns Dein blasses Gesicht
Lass uns
Über Dein Erscheinen staunen,
In Deinem Licht tanzen,
In Deinem Rhythmus pulsieren.

(c) Bernhard Friedrich

bookmark_borderZerstörung

Wie ein Panzer bist Du
In
Durch
Und über
Mein Leben gerollt –
Hast alles umgerissen
Überrollt
Platt gewalzt
Und eingeebnet.

Wo vorher lebendige Vielfalt stand
Ist jetzt gerodetes Land.
Wo vorher bunte Blumen duftend blühten
Ist jetzt zerfurchte, nackte Erde.
Alles weg.

Auch
Das undurchsichtige Gestrüpp,
Die Dornenhecken
Die Gräben
Die Stacheldrähte
Die Sperren
Alles plattgewalzt,
Alles weg.
Die Erde zerfurcht und zerwühlt.

Aber der Panzer hinterlässt nicht nur
Vernichtung und Chaos,
Sondern auch Freiraum,
Zugänglichkeit.

Nach der Zerstörung ist auch Platz
Damit Neues wachsen kann.

Jemand kommen kann
Der nicht nur die durchwühlte, nackte Erde sieht,
Sondern erkennt und schätzt,
Dass sie auch fruchtbarer Humus ist.
Neues pflanzen will.
Wachsen lassen
Und selbst wachsen.

Warst Du ein zerstörerischer Panzer,
Oder ein gut verkleideter Landschafts-Umgestalter,
Vom Himmel geschickt?

bookmark_borderSchneegestöber

Der Wind pfeift über die Schneedecke
und treibt die Kristalle vor sich her.
Wolken aus eisigen Flocken steigen auf,
schweben,
werden zu Boden gedrückt,
lösen sich auf.

Die nächste Böe
hebt sie wieder auf,
trägt sie,
lässt sie fallen.
Der Wind spielt ein unbekümmertes Spiel mit ihnen.

Ich bin ein Schneekristall im Wirbelwind Deiner Schönheit,
Du spielst Dein unbekümmertes Spiel mit mir.
Jedes Lächeln – eine Böe
Jedes Mal, wenn unsere Augen sich einen Moment zu lange
nicht voneinander lösen wollen – ein Windstoß
Jede der vielen, scheinbar zufälligen, Berührungen – ein kleiner Sturm.

Sie werfen mich in die Höhe,
Lassen mich schweben,
Lassen mich fallen,
Ich löse mich auf.

Nächstes Lächeln, nächste Runde.
“Same procedure as every smile?”
“Same procedure as every time, James.”

Die Schneeflocken lieben das Spiel.
Ich nicht mehr.

So vieles kann sich aus Schneekristallen bilden:
Tragende Schneedecken, wunderschöne Eisformationen, nährendes Wasser.
Als Flocke in der Gegend herumgetrieben zu werden
Ist mir auf Dauer zu wenig.

Ich löse mich aus Deinem Zauber,
Lasse Dich zurück,
Finde meinen Boden und meine Werte wieder.
Dein unbekümmertes Spiel
Ist mir auf Dauer zu wenig.

bookmark_borderFlüchtig

Flüchtig
Sehr flüchtig
Erwische ich ein Bild von Dir.
Seh ich, wer Du bist?
Willst Du, dass ich Dich sehe?
Oder flüchtest Du vor meinem Auge?

Du bist schneller als der Auslöser.
Aber was ist der Auslöser Deiner Flucht?

Und was der Auslöser meines Versuchs,
Dich festzuhalten?

Bleib doch noch, nur einen Moment!
Lass es uns herausfinden.

Aber Du bist schon weg.


bookmark_borderKleiner Welpe

Kleiner Welpe,

Du jagst den Schmetterlingen hinterher,
Den Bällen, den Stöcken,
Den Autos, den Blättern,
Den Lichtern und den Schatten.

Ich beobachte Dich,
Wie Du umher springst,
Als gäbe es kein Morgen,
Keine Grenzen, keine Limits,
Übersprudelnde Lebendigkeit.

Wenn Du mich ansiehst,
Mit Deinen großen braunen Augen.
Als würdest Du bei mir Etwas finden können.
Geht mir Dein warmer Blick
Direkt ins Herz.

Wenn Du mich ansiehst
mit Deinen großen braunen Augen,
Ist alles in mir verzückt.

Du läufst auf mich zu,
Zeigst mir stolz Dein Lieblingsspielzeug.
Mein Nebel lichtet sich,
Farben werden bunter,
Die Zeit bleibt stehen,
Wir spielen.
Oh wie schön!

Ich lass mich mitreißen von Deinem Übermut,
Anstecken von Deiner Leichtigkeit,
Löse mich auf in unserem Spiel,
Schwebe.

Du knurrst mich an.
Hoppla, die Realität!
Ganz drauf vergessen.
Ich schau mich um.

Du knurrst noch immer.
Nicht meinetwegen.
Nur um sicher zu sein,
Dass ich weiß
Dass Du scharfe, spitze Zähne hast.
Die Du zu nutzen weißt
Und zu nutzen bereit bist.
Und dass dafür manchmal eine Kleinigkeit ausreicht.

Deine Galerie an zerbissenen Leinen
Erzählt Geschichten davon.
Vom Mangel an Respekt vor Deinen Zähnen.
Und auch von Deiner Angst
Vor dem Verlust Deiner Freiheit.

Der Abend kommt.
Wie gerne würde ich
Ewig mit Dir tollen.
Aber Du kannst nicht mit mir kommen,
Kleiner süßer Welpe,
Du kannst nicht mit mir kommen…

Weil auch ich Angst habe:
Dass Du in meiner Welt
Früher oder später
Alles kaputt-beißt.
Auch mich.

bookmark_borderHurry, day!

(c) Bernhard Friedrich

Hurry, day,
Please pass as quickly as you can.
I want to hold my darling
in my arms again.
In my arms,
where she belongs!

Hurry, day!
Pass as quickly as you can.
I want to see her again,
Touch her,
Feel her,
Look into her beautiful eyes.
Hurry, day.
Pass by.
Because the night will bring my baby.

Hurry, train.
Bring her in my arms again.
The day has passed,
Now it’s in your hand.
To bring her
Where she belongs:
In my arms again.
Please hurry, train!

Slow down, day!
Please slow down, day!
The evening will take
my baby away,
Away from my arms,
Away from where she ought to be
From where she wants to be
Away from me.

Slow down, day!
Don’t take her away!
Slow down, day!
Let my baby stay!

(Like in most long distance relationships:
Wait 5 days, then repeat from beginning)

bookmark_borderTrage Deinen Schmerz

(c) Bernhard Friedrich

Trage Deinen Schmerz wie eine Kerze.
In deinem Herzen.
Lass ihn Dein Innerstes erhellen.

Tragen Deinen Schmerz wie einen Schirm.
Über Dir.
Er kann das Unwichtige von Dir fernhalten.

Trage Deinen Schmerz wie eine Brille.
Er lässt Dich klar sehen.

Trage Deinen Schmerz,
Und behalte Deine Leichtigkeit.
Es ist nur Schmerz.

Dein Schmerz hat Dich zu dem gemacht, was Du bist. Gib ihm den Platz, den er braucht.

Trage Deinen Schmerz wie ein Abzeichen.
Auf Deiner Brust,
Sichtbar für jeden.

bookmark_borderEin ganzer Tag

Ein ganzer Tag
(c) Bernhard Friedrich

Wenn die Sonne am Horizont verschwindet, und das runde Gesicht des Vollmonds langsam in den Abendhimmel steigt.
Schließe ich die Augen und träume mich zu Dir.

Wenn der Mond dann gemächlich seine Bahn zieht, und das schale Licht nach und nach auf alle Seiten der nächtlichen Berge und Wälder fällt.
Habe ich die Augen zu und träume von Dir.

Wenn er dann seine Runde beendet, und sich vorsichtig, fast zärtlich, der neue Tag ankündigt,
Streifen meine Gedanken zärtlich über Deinen Körper.

Wenn das Sonnenlicht mit voller Macht den neuen Tag erhellt.
Spüre ich Dich ganz nah bei mir.

Wenn die Sonne ihre Reise tut, ich beschäftigt den ganzen Tag erlebe, 1000 Dinge tue.
Bist Du immer ein bisschen mit dabei.

Und manchmal, in den kurzen, stillen Momenten,
Mach ich die Augen zu,
Spür Dich ganz stark,
Und atme einen Augenblick lang
Nur für Dich.